Die Feierlichkeiten zur Vermählung des Kurprinzen Friedrich August II mit der österreichischen Kaisertochter Maria Josepha im September 1719 in Dresden gaben einst Anlass zur Errichtung des königlichen Paradeappartements. Mit der Wiedereröffnung der originalgetreu rekonstruierten Paraderäume 300 Jahre später, erreicht nach 33 Jahren der Wiederaufbau des Residenzschlosses Dresden seinen glanzvollen Höhepunkt.
Zur Raumfolge des Paradeappartements zählten ein Ecktafelgemach, zwei Vorzimmer, das Audienzgemach mit Thron sowie das Paradeschlafzimmer mit einem grandiosen Imperialbett. Mit großem Aufwand und Expertenwissen sowie handwerklichen Höchstleistungen ist es gelungen, ein Raumkunstwerk wieder entstehen zu lassen, das ein authentisches Erleben der prachtvollen Ausstattung des 18. Jahrhunderts möglich macht.
Die in den Sammlungen des Kunstgewerbemuseums erhaltenen Originale, wie die vergoldeten Augsburger Silbermöbel, zahlreiche Gemälde der Gemäldegalerie Alte Meister, wertvolle Spiegelrahmen sowie die schon zu ihrer Entstehungszeit außergewöhnlich kostbaren Goldpilaster aus dem Audienzgemach erzählen als Zeitzeugen von der ursprünglichen Ausstattung und verfehlen auch heute ihre beeindruckende Wirkung nicht.
Textile Pracht
Der Bestand der königlichen Gewänder aus der Garderobe Augusts des Starken (1670-1733) markiert den Höhepunkt barocker königlicher Kleiderpracht, wie sie durch König Ludwig XIV. von Frankreich geprägt wurde, aber an keinem anderen Ort wie in Dresden in solch herausragender Qualität und Geschlossenheit überliefert ist.
Kostbare Möbel
Das Ensemble bestehend aus einer Pendule und dem hohen Sockel ist durch den bedeutenden Pariser Kunsttischler Jean-Pierre Latz (1691–1754) gefertigt worden. Die Stücke sind Meisterwerke der Pariser Kunsttischlerei um 1740. Möbel dieser Art gehören zu den wichtigsten Repräsentationsmöbeln der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Virtuose Silberarbeiten
Der virtuos in Silberblech getriebene Dresdner Kaminschirm wurde durch die bekannten Augsburger Goldschmiede Albrecht und Lorenz II Biller gefertigt und ist eines der herausragendsten Stücke des ganzen Paradeappartements. Nur wenige silberne Kaminschirme haben sich aus dieser Zeit überhaupt erhalten.
Kleines Bilderkabinett
Im Juli 1807 erlebte das Dresdner Schloss einen besonderen Moment in seiner Geschichte: Der französische Kaiser Napoleon Bonaparte I. übernachtete als Ehrengast in den sonst unbewohnten prächtigen Paradezimmern. Im Jahr zuvor hatte Napoleon den sächsischen Kurfürsten Friedrich August III. zum König erhoben und sich damit einen loyalen Verbündeten gesichert. Grandiose Erzeugnisse der königlich-französischen Manufakturen für Gobelins und Porzellan gelangten damals als Geschenke an den ersten sächsischen König, Friedrich August den Gerechten, nach Dresden.
Großes Bilderkabinett
Die Erziehung der fürstlichen Kinder war von zentraler Bedeutung, um die Stabilität der Herrschaft und die Zukunft des Landes zu sichern. Ab einem Alter von zwei bis fünf Jahren erfolgte eine umfassende Ausbildung in Lesen, Schreiben, Rechnen, Sprachen, Etikette und gesellschaftlich-politischer Kompetenz. Die Prinzen wurden zusätzlich in Reitkunst, Fechten und militärischer Taktik geschult. Auch der Umgang mit Hunden und Pferden wurde frühzeitig geübt. Sorgfältig ausgewählte Hunde dienten als Spielkameraden, treue Begleiter, Wächter und unverzichtbare Jagdgefährten.
eben Porträts zeugen kleine Blank- und Feuerwaffen, Harnische und Kindersättel von den praktischen Aktivitäten der Prinzessinnen und Prinzen. Ein Highlight ist ein geschnitzter Hund, der in Anlehnung an die mächtigen Leibhunde Johann Georgs I. entstand. Er trägt die Nachbildung eines Hundehalsbandes aus der umfangreichen Sammlung der Rüstkammer, von der hier ebenfalls ein Teil hier gezeigt wird.
Rekonstruktion der Räumlichkeiten
Schon 1718/1719 war bei der Einrichtung nur das Beste gut genug: kostbare Wandbehänge aus französischer und sächsischer Produktion, teure Spiegel aus Frankreich und Preußen, Luxusmöbel aus Augsburg und Paris, Decken- und Wandgemälde aus der Hand des gerade nach Sachsen geholten Hofmalers Louis de Silvestre – um nur einige Beispiel zu nennen.
Von großer Bedeutung
Von großer Bedeutung für die Rekonstruktion waren die originalen Ausstattungsstücke und erhaltenen Fragmente. So war es beispielsweise möglich, die Wand des Audienzgemaches wieder mit einem sehr großen Anteil originaler Elemente zu dekorieren: Etwa 80 Prozent der originalen Pariser Silberpilaster und Goldposamenten aus der Apel’schen Manufaktur in Leipzig konnten wieder an ihren originalen Platz zurückgeführt werden. Zusammen mit der Garnitur an vergoldeten Silbermöbeln aus Augsburg wird so die prächtige Ausstattung wieder erfahrbar.
Fehlende Dekorationselemente der Wände wurden neu gefertigt. Die originalen Befunde gaben dabei die Qualität vor. So wurden alle fehlenden Textilien vom 1. Vorzimmer bis zum Paradeschlafzimmer in originaler Technik hergestellt. Die Spiegel wurden zum Teil in selber Art und Weise wie im 18. Jahrhundert belegt. Die beiden Deckengemälde des Audienzgemaches und Paradeschlafzimmers nach intensiver Auswertung der Messbilder sowie der Auseinandersetzung mit dem Werk Silvestres neu gemalt.
Die erhaltenen originalen Ausstattungsstücke wie beispielsweise edle französische Marketerie-Möbel und vorzügliche sächsische Bildhauermöbel aus der Sammlung des Kunstgewerbemuseums, originale Supraporten- und Wandgemälde in der Verwaltung der Gemäldegalerie Alte Meister aber auch Fragmente von amelierten und geschliffenen Spiegelrahmen sowie Wand- und Deckenleuchtern aus dem vom Landesamts für Denkmalpflege verwalteten Sicherungsbestandes des Residenzschlosses zeugen von der unglaublich hohen Qualität der Einrichtung im 18. Jahrhundert und sprechen gleichzeitig auch eindrucksvoll von der bewegten Geschichte des Paradeappartements.
Königliche Garderobe Augusts des Starken
In den beiden Retiraden im Westflügel des Dresdner Residenzschlosses werden die königlichen Staatsgewänder aus der Garderobe Augusts des Starken präsentiert. Sie stellen den Höhepunkt barocker Kleiderpracht dar, wie sie durch König Ludwig XIV. von Frankreich geprägt wurde, aber an keinem anderen Ort wie in Dresden in solch herausragender Qualität und Geschlossenheit überliefert ist.
Weitere Infos hier
Foto: Bild: © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Lösel
