Das preisgekrönte filmische Gemeinschaftswerk eröffnet das 63. Jazzfest Berlin im Haus der Berliner Festspiele und setzt sich durch Musik, Bewegung und Poesie mit Fragen von Zugehörigkeit, Utopie, Traum und Trauma auseinander.
Das Jazzfest Berlin versteht sich seit jeher als Ort der Begegnung zwischen Tradition und Zukunft, lokalen Perspektiven und globalen Erfahrungen, zwischen unterschiedlichen Communities, Arbeitsweisen und Ausdrucksformen. Die aus Argentinien, Brasilien und den USA stammenden Wahlberlinerinnen Camila Nebbia, Mariá Portugal und ganavya sind in diesem Jahr Botschafterinnen dieses Dialogs: Sie bewegen sich mühelos zwischen Kontinenten, künstlerischen Szenen und musikalischen Sprachen. Christian Lillingers international besetzte Uraufführung Open Form For Society II entfaltet eine radikal verdichtete Form von Kammermusik, wobei nicht weniger als fünf Musiker*innen den verschlungenen Kompositionen des Bandleaders auf Tasteninstrumenten nachspüren. Und BONECRUSHER, ein außergewöhnliches Orchester unter der Leitung von Matthias Muche, versammelt ganze 12 Posaunen in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche.
Seit mittlerweile sechs Jahrzehnten lotet Anthony Braxton Zwischenräume aus, verschiebt ästhetische Grenzen und erfindet neue musikalische Systeme: „My music is like my life: It’s in between these areas.“ 50 Jahre nach seinem ersten Auftritt bei den Berliner Jazztagen und sieben Jahre nach seinem eindrucksvollen Sonic Genome im Gropius Bau kehrt der stilprägende Multiinstrumentalist, Komponist und Pädagoge in diesem Jahr mit einem eigens für diesen Anlass ins Leben gerufenen Septett zum Jazzfest Berlin zurück: „What we call jazz is a sonic continuum. It’s not just about celebration of the past; it’s about the hope of the future.“
An vier Tagen richtet die Festivalausgabe 2026 ihre Scheinwerfer auf 24 Acts mit über 135 Musiker*innen aus mehr als 25 Ländern – mit vier Uraufführungen, zwei Europa- und fünf Deutschlandpremieren. Zu Gast sind einige der prägendsten Stimmen der internationalen Creative-Music-Szene, darunter das CHICAGO UNDERGROUND Duo, das Tomeka Reid Quartet, die Formation Twin Talk, die Band Clone Row um den vielseitigen Schlagzeuger Ches Smith, das All-Star-Trio Graewe/Drake/Jones sowie das gefeierte Quartett des Ausnahme-Saxofonisten Immanuel Wilkins – allesamt aus den USA.
Auch die menschliche Stimme nimmt im diesjährigen Programm einen besonderen Platz ein. Künstler*innen wie Karoline Wallace, Alejandra Charry, Wendy Eisenberg oder Amir ElSaffar bewegen sich zwischen Song, Improvisation und transkultureller Klangforschung. Zugleich begrüßt das Jazzfest Berlin mit Alexander Hawkins und Laura Jurd zwei herausragende Stimmen aus Großbritannien sowie mit Elin Forkelid und der Formation (Exit) Knarr um den Kontrabassisten Ingebrigt Håker Flaten prägende Vertreter*innen der skandinavischen Szene. Aus Japan reist Otomo Yoshihide mit seinem Quintett an, während die iranische Klarinettistin Shabnam Parvaresh ihr Sheen Trio erstmals beim Jazzfest Berlin präsentiert.
Freiräume und Begegnungsorte für den integrativen, experimentellen und mitunter aufmüpfigen Geist des Jazz zu schaffen, diese an nachfolgende Generationen weiterzugeben und neue Zielgruppen anzusprechen, steht im Mittelpunkt der diesjährigen Jazzfest Community Week: Im Rahmen eines mehrtägigen Workshops tauchen 25 Studierende des Jazz Institut Berlin in Braxtons musikalisches Universum ein und entwickeln mit ihm gemeinsam das JIB Creative Music Orchestra. Der Stadtteil Moabit wird erneut zum Zentrum zahlreicher Kiez- und Lunchkonzerte sowie zweier Workshops, die sich spielerisch mit Musik, Theater und Zirkus beschäftigen. Die fünftägigen Improlabs for Kids laden bereits im vierten Jahr in Folge rund 30 Grundschulkinder in die KULTURFABRIK Moabit und in die Kulturmanege Moabit ein.
Den Schlusspunkt setzt eine Berliner Legende: Alexander von Schlippenbach mit seinem Globe Unity Orchestra. Das Ensemble schrieb Musikgeschichte, als es in den 1960er-Jahren mit seinem kompromisslosen Free Jazz das Publikum in der Philharmonie Berlin herausforderte. Sechzig Jahre nach seinem Debüt beim Jazzfest Berlin kehrt das Orchester mit der Apokalyptischen Nabelschau zurück und beschließt eine Festivalausgabe, die mehr als 200 Künstler*innen, Jugendliche, Kinder und Erwachsene aus Berlin und aller Welt im Alter von sechs bis 88 Jahren zusammenbringt. Gemeinsam stehen sie für die künstlerische Vielfalt, Weltoffenheit und Innovationskraft, die den Jazz seit jeher auszeichnen: Dream Baby Dream!
Weitere Infos hier
Foto: Berliner Festspiele, Fabian Schellhorn, Tim Berne>'s CAPATOSTA
