Startmenü

Chris Hinze. Fragmente eines Wegs Raum der Stille

Der "Raum der Stille" von Chris Hinze ist eine ortsspezifisch angelegte, raumfüllende Installation als Teil der Ausstellung "Fragmente eines Wegs" im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus (25.4. – 23.8.26). Durch skulptural-architektonische Intervention sowie subtilen Klang wird der Ausstellungsraum transformiert.

Die Einzelausstellung des 1969 in Cottbus geborenen Bildenden Künstlers und Musikers Chris Hinze ist zweiteilig angelegt. Während im Ausstellungssaal Maschinenhaus 1 die neue, ortsspezifisch angelegte, raumfüllende Installation Raum der Stille zu sehen ist, ist die Präsentation im Schalthaus 3 kontrapunktisch ausgerichtet indem in geradezu klassisch musealer Form ein Überblick über Bildwerke unterschiedlicher Techniken sowie Skulpturen aus unterschiedlichen Schaffenszeiten gezeigt werden.

In den späten 1980er Jahren sich zunächst in erster Linie als Musiker profilierend und im Bereich der Performance experimentierend, begann Chris Hinze bald seine Auseinandersetzung mit Fragen archaischer Lebensformen und deren symbolischen Motivwelten sowie mythologischen Themen auch in Bildwelten zu überführen. Immer wiederkehrende Themenkomplexe sind hierbei das (spirituell konnotierte) Verhältnis von Mensch und Natur sowie die Idee unterschiedlichster Grenzüberschreitungen als intellektuelle, transzendentale, gleichermaßen jedoch auch physische und vor allem ästhetische Möglichkeit der Überwindung (gesellschaftlicher) Zwänge, Konventionen und (Selbst)Kontrollmechanismen.

Der Raum der Stille wird durch skulptural-architektonische Interventionen sowie subtilen Klang transformiert. Die Rauminstallation verwandelt den musealen Kontext in einen Erfahrungsraum für Besucher*innen, die zu aktiv Beteiligten werden, aber auch stille Beobachter bleiben können.

Der Raum wird beidseitig durch einen doppelten Eingang gekennzeichnet: nach dem Öffnen der Saaltüren durchschreiten die Besucher*innen Torbögen, die aus rohen Robinienstämmen gefertigt sind. Flankiert von zwei Skulpturengruppen schematischer Figuren, findet sich in der Raummitte ein Kreis aus weißen, runden Kissen, die zur Mediation, aber auch zum schlichten Verweilen genutzt werden können. Die auf Metallstäben angebrachten Figuren, die jenen Kreis umringen, ähneln formreduzierten menschlichen Gestalten, die wie Schattenfiguren, Wächter*innen, Beschützer*innen oder auch Homunculi wirken. Aus Beton in den vorgeformten Waldboden genossen, tragen die Figuren die Spuren ihres Entstehungsprozesses und -umfeldes indem Moos, Baumnadeln oder Laub, Erdreste etc. auf den Oberflächen des Beton sichtbar sind. Versatzstücke von Natur und Landschaft sind somit in die Skulpturenkörper, sozusagen die Haut der Figuren eingeschrieben.

Die Figuren entstammen zwei unterschiedlichen Kontexten: einige von ihnen wurden im vergangenen Jahr im Rahmen des First Nation-Projektes, einer von Chris Hinze in Jamlitz produzierten und gezeigten Open Air-Installation zu verschwundenen Orten und Leerstellen hergestellt. Weitere, neue Figuren entstanden vor einigen Wochen im Wald bei Drebkau. Die Vermengung der Skulpturen aus unterschiedlichen Zeiten und Orten verknüpft somit auch verschiedene (Natur)Räume und deren geschichtliche Aufladung.

Während der Ausstellungsdauer finden im Raum der Stille regelmäßig vom Künstler konzipierte und angeleitete Klang- und Mediationssitzungen statt.

Foto: Chris Hinze, Raum der Stille, Installationsansicht, BLMK Cottbus, 2026, Bernd Schönberger