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Wolfgang Hollegha. Denk nicht, schau!

Mit der ersten musealen Einzelausstellung in Deutschland feiert das Museum Reinhard Ernst (mre) die fulminante Wiederentdeckung eines der international bedeutendsten abstrakten Malers Österreichs nach 1945. / Die Schau im mre ermöglicht die eindrucksvolle Wiederbegegnung des europäischen Meisters mit Jackson Pollock, Helen Frankenthaler, Morris Louis, Friedel Dzubas und anderen US - amerikanischen Weggefährten.

Das Museum Reinhard Ernst zeigt die Deutschlandpremiere eines der international bedeutendsten österreichischen Maler nach 1945: Wolfgang Hollegha (1929–2023). Bereits
Ende der 1950er-Jahre erlangte Hollegha große Anerkennung in New York – im Zentrum jener künstlerischen Avantgarde, die die Malerei nachhaltig veränderte. Gefördert von Clement Greenberg, dem einflussreichen US-amerikanischen Kunstkritiker, stellte er gemeinsam mit den Protagonist:innen des Abstrakten Expressionismus aus, darunter Friedel Dzubas, Morris Louis und Jules Olitski.

Als besonderen Höhepunkt ermöglicht die Ausstellung die Gegenüberstellung von Holleghas Werk mit Arbeiten seiner amerikanischen Zeitgenossen. Die Sammlung Reinhard Ernst vereint ein einzigartiges Who’s who des Abstrakten Expressionismus. Hier erleben Besucher:innen eine berührende Wiederbegegnung des europäischen Meisters der Abstraktion mit seinen US-amerikanischen Weggefährt:innen Friedel Dzubas, Helen Frankenthaler, Morris Louis, Jules Olitski, Jackson Pollock und Larry Poons – ein Dialog von historischer Tiefe. Erstmalig gezeigt wird Jacksons Pollocks ungewöhnliches Werk Eye-Scape aus dem Jahr 1952. 

Wir sehen hier Pollock als Wegbereiter der von Helen Frankenthaler entwickelten Soak-and-Stain-Technik. Mit einer scheinbar kalligrafischen Herangehensweise lässt er verdünnte Farbe auf die unbehandelte Leinwand tropfen. Markierungen, Flecken und Verläufe beschwören Totemtiere, Symbole aus der Folklore und den Legenden indigener Völker herauf, für die sich Jackson Pollock seit seiner frühen Kindheit begeisterte. Als jüngster Preisträger wurde Wolfgang Hollegha 1958 für Österreich mit dem Guggenheim Award ausgezeichnet, zeitgleich mit Alberto Giacometti, der den Preis für die Schweiz entgegennahm, und Mark Rothko für die USA. Trotz seiner internationalen Erfolge entschied sich Wolfgang Hollegha bewusst gegen eine Karriere in den Kunstmetropolen. 1962 zog er sich auf
einen Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert am Rechberg nördlich von Graz zurück. In dieser selbstgewählten Abgeschiedenheit entwickelte er über mehr als sechs Jahrzehnte ein radikal eigenständiges, oft monumentales Œuvre – konzentriert, kompromisslos und von außergewöhnlicher malerischer Intensität.

Die Wiesbadener Ausstellung Wolfgang Hollegha. Denk nicht, schau! (15.3.-25.10.2026) feiert den Künstler als Meister der präzisen Verdichtung und Reduktion. Buchstäblich in der malerischen Durchdringung des Alltäglichen in seinem Wohnhaus und seinen Ateliers – als Motive dienten ihm beispielsweise Kinderspielzeug, ein Korb, oder Holzscheite – fand er zum leisen Gespräch zwischen der Wirklichkeit und der Abstraktion, und damit einen unmittelbaren Zugang zu seinem Publikum.

„Es ist uns eine Herzensaufgabe, diesen bedeutenden Künstler ins Licht zu holen und ihm den Raum zu geben, den sein Werk verdient. In Wolfgang Hollegha erleben wir einen Maler, der unsere oft unscheinbare (Motiv)welt in herrlich mitreißende Farbereignisse überführt. In den großzügigen, hellen Räumen des Museums Reinhard Ernst beginnen seine Bilder zu atmen und entfalten ihre ganze Strahlkraft und Farbintensität. Mit dieser Deutschlandpremiere positioniert sich das Museum Reinhard Ernst einmal mehr als ein Ort der Entdeckungen. Wir laden Sie ein, tief in die souveräne
Abstraktion dieses europäischen Meisters einzutauchen“, sagt Dr. Oliver Kornhoff, Direktor des Museums Reinhard Ernst. 

Lea Schäfer, Kuratorin der Ausstellung Wolfgang Hollegha. Denk nicht, schau!: „Schon der Titel – ein von Wolfgang Hollegha oft zitierter Satz des Philosophen Ludwig Wittgensteins – verweist auf den Kern seines Werkes: Es geht nicht um Erklärungen, nicht um Theorie, nicht um Analyse. Es geht um das Sehen. Und genau darin liegt die besondere Aktualität für unsere Gegenwart. Was können wir heute von Wolfgang Hollegha lernen? Vielleicht vor allem dies: sich Zeit zu nehmen, den eigenen Blick zu schulen – nicht die KI zu fragen, sondern seinen eigenen Fähigkeiten vertrauen.“ 

Günther Holler-Schuster, Kurator der Ausstellung Es gibt allerdings Unaussprechliches (4.4.‒2.11.2025 in der Neuen Galerie Graz): „Die Betrachtung der scheinbar unbedeutenden Gegenstände ist für den
Künstler bereits ein erster Abstraktionsprozess. Es ist die Einheit von Licht und Farbe, das Spannungsverhältnis von Linearem und Flächigem, das plötzlich in Erscheinung tritt und dem Künstler den Weg anzeigt. Damit erscheint es auch plausibel, dass es am Ende nicht wichtig ist, zu wissen, welcher Gegenstand es war, der als Auslöser diente.“ 

Auf insgesamt 660 Quadratmetern präsentiert das Museum erstmals in Deutschland 27 großformatige Arbeiten Wolfgang Holleghas aus sechs Jahrzehnten. Die Werkschau umfasst 23 Gemälde auf Leinwand sowie vier Arbeiten auf Papier. Das größte Werk der Ausstellung, Mütze zwei Holzscheite (2002), misst 285 × 600 cm und beeindruckt durch seine rhythmische, tänzerische Geste.
Eine Ausstellung des Museums Reinhard Ernst, Wiesbaden mit der Neuen Galerie Graz/Universalmuseum Joanneum. 

Weitere Infos hier

Foto: Wolfgang Hollegha in seinem Atelier auf dem Rechberg, Markus Thums 2015