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Von wegen "Papa Haydn"

2026 feiern die sommerlichen Musiktage Hitzacker vom 25. Juli bis 02. August ihre 81. Saison. Deutschlands ältestes Kammermusikfestival, die Sommerlichen Musiktage Hitzacker, starten in ihre neunte Dekade . Das Verbinden von geschätzten Kammermusikwerken mit Neuem, Ungeahntem und Innovativem ist seit jeher das Markenzeichen des neuntägigen Festivals. Daher setzt es in seiner 81. Ausgabe den Schwerpunkt auf Joseph Haydn.

 Auch jene, die meinen schon alles über Haydn zu wissen, werden überrascht sein, zumal die von Intendant Oliver Wille eingeladenen Musikerinnen und Musiker und Ensembles sich von Haydns Ideenreichtum, seinem Entdeckergeist und seinem Humor zu spannenden Querverbindungen anregen lassen. Das zeig t sich schon im Eröffnungskonzert von Giovanni Sollima & Friends . Von traditioneller Musik verschiedener Kulturen, über Eigenkompositionen und Improvisationen über Haydns Motive integriert der vielseitige, italienische Cellist auch das Baryton, das Lieblingsinstrument von Haydns Dienstherr Fürst Nikolaus von Esterházy . 

Aufs Festival zugeschnittenen Liederabend

Abends gibt es mit „Trotz Haydn!“ einen außergewöhnlichen, speziell aufs Festival zugeschnittenen Liederabend mit u.a. Dorothea Röschmann und Ian Bostridge . Zusammen mit Jan Philipp Schulze am Klavier spann en vier Sänger innen und Sän ger einen Bogen von Haydn bis ins Heute, und das nicht nur klassisch. Sehr klassisch wird es mit Kristian Bezuidenhout , der am Hammerklavier brillant und klangvoll „Papa“ Haydn und Mozart einander gegenüberstellt. Dass Jazz auch ein „Haydn “-Spaß sein kann, beweisen Till Brönner und Frank Chastenier mit ihrer einfallsreichen Improvisationskunst. „Von wegen ´Papa Haydn‘“ heißt das diesjährige Motto. Denn Haydn war nicht nur der ältere Herr, der klischeehaft mit Perücke auf Schloss Esterházy residierte, sorgenfrei komponierte dank gesichertem Einkommen und seinen musikliebenden Fürsten mit Werken aller Gattungen erfreute. 

Er war ein Suchender, ein Erfinder ! 

Eine Gegenüberstellung von Alt und Neu - auch mit „alten“ Instrumenten wie Theorbe und Cembalo - macht daher ein Ensemble rund um den Oboisten Kai Frömbgen mit Werken von Zelenka, Heinichen, Fasch, Haydn und Isang Yun. Das Klavierduo Grau - Schumacher schaut von Haydn und Mozart aus in die Zukunft zu Debussy, Ravel und Henze ebenso wie das Trio Antje Weithaas, Marie -Elisabeth Hecker und Martin Helmchen , die Haydn mit Schubert, Dvo řák und Kurtág kombinieren. Letzterer feierte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag, ebenso wie Morton Feldman , den der Pianist Steffen Schleiermacher in einer der Hörerakademien in den Mittelpunkt rückt. Auch das Klavierduo Grau -Schumacher würdigt Kurtág mit seinem Zyklus „Jatékok“ und kombiniert ihn mit Divertimenti von Haydn und Henze sowie Werken des Impressionismus.

Die 2024 begonnenen Debüts sind wieder dabei, diesmal auf zwei ganze Festivaltage verdichtet , um zwischen den vielfältigen Programmen in den Pausen den Austausch mit den preisgekrönten jungen Talenten zu ermöglichen. Debüt -Tag I am ersten Festivalwochenende gestalten Igor Levit und Markus Becker mit vier jungen Pianistinnen und Pianisten (Séverine Kim, Robert Neumann, Roman Borisov und Dongping Wang) , am zweiten Festivalwochenende gibt es Debüt -Tag II mit vier jungen Streichquartetten (Arete Quartet , Nerida Quartet , Quartet Integra und Quartet Opus13). 

Chorsingen für ALLE

Ein traditionsreiches Debüt wird es beim beliebten „Chorsingen für ALLE“ geben. Nach vielen Jahren mit dem Eric -Ericson -Preisträger Alexander Lüken startet der Festivalchor in diesem Sommer mit der renommierten Chorleiterin Gudrun Schröfel , die in jungen Jahren selbst bei Eric Ericson studiert hat und die dank ihrer vielfach ausgezeichneten Ensembles, dem Mädchenchor Hannover und dem Johannes - Brahms -Chor beispielsweise, einen herausragenden Ruf genießt. Das Festival freut sich über viele Singbegeisterte (Montag bis Freitag, auch spontan!) ebenso wie über Musiker innen und Musiker (gerne mit Voranmeldung), die den Chor am Festival -Freitag mit ihren Instrumenten unterstützen möchten und parallel zu den täglichen Chorproben als Instrumentalensemble ein Repertoire erarbeiten wollen. „Kultur ist nicht die Verzierung des Alltags, sondern die Substanz des sozialen Miteinander s“, sagt Prof. Dr. Berthold Vogel , der geschäftsführende Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI) an der Georg -August -Universität" .

Forum Nachhaltigkeit 

In Zusammenarbeit mit ihm findet unser diesjähriges „Forum Nachhaltigkeit /Zukunftsfähigkeit“ statt. Darin geht es um die Tradition, die gesellschaftliche Rolle und die Zukunftsfähigkeit eines regionalen Festivals, das weit über die Landesgrenzen hinaus geschätzt wird, international als „musikalisches Kleinod“ bekannt ist und seit mehr als 80 Jahre n besteht. Joseph Haydn gewidmet sind auch zwei Abende mit Lesung und Musik : Udo Samel liest Lawrence Sternes „Tristam Shandy“ begleitet vom Kuss Quartett , und Martina Gedeck erzählt von Haydns Zeit in London, begleitet vom Pianisten Sebastian Knauer . Mit dem Kuss Quartett und Haydns “Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze” verschränkt mit einer Uraufführung von Matthew Shlomowitz sowie umrahmt von Ballett mit internationalen Solisten rund um den Choreografen und Solotänzer des Hamburg Balletts Aleíx Martínez enden die „Sommerlichen“ nach neun Tagen mit einem bewegenden Finale.

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© SMH / Kay-Christian Heine