Otto Niemeyer-Holstein (1896-1984) unternimmt wiederholt Studienreisen nach Italien, um die römische Antike, die Kultur der Renaissance, das Licht und die Landschaft Italiens kennenzulernen, wie es schon viele deutsche Künstler und Kunstinteressierte vor ihm taten. Italien fungierte von jeher als Traumziel der bildenden Künstler und eine Reise dorthin gehörte einst zum Ausbildungsprogramm.
Die Reise Johann Wolfgang von Goethes nach Italien 1786–1788 gilt als einflussreichstes Beispiel für eine solche Reise, die Goethe zu einem Ideal der künstlerischen Wiedergeburt stilisierte und damit die Begeisterung der nachfolgenden Künstlergenerationen beeinflusste.
Bereits 60 Jahre vor Goethe war Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) nach Italien gereist und hatte wenig später seine „Abhandlung von den Fähigkeiten der Empfindung des Schönen in der Kunst und dem Unterrichte in derselben“ verfasst und gilt deshalb als Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und Kunstgeschichte und als geistiger Begründer des Klassizismus im deutschsprachigen Raum.
Die erste Italienreise Otto Niemeyer-Holsteins, die sich auch in Zeichnungen und Aquarellen niederschlägt, führt den Maler 1920 nach Sizilien. Eine weitere Reise, 1930, muss sehr nachhaltigen Eindruck auf ihn hinterlassen haben. In der Villa Romana in Florenz entsteht ein Bild, das zum Sinnbild dieser Lehr- und Wanderjahre wird, seine eigenen ausgelatschten „Schuhe“. Das Gemälde muss ihm viel bedeutet haben, denn er verkauft es nie. In Florenz begegnet er dem Maler Hans-Joachim Staude (1904-1973), der in Hamburg aufgewachsen ist. Bemerkenswert ist auch eine Ausstellungsbeteiligung Otto Niemeyer-Holsteins an der IV. Mostra Regionale d`Arte Toscana, die 1930 in Florenz stattfindet.
Erst vierundzwanzig Jahre später kann Otto Niemeyer-Holstein seine persönlichen Kontakte im Tessin und in Florenz wieder aufnehmen. Es folgen weitere Reisen, auf denen ein beeindruckender künstlerischer Ertrag entsteht, rund einhundert Gemälde und Zeichnungen. Besonders hervorzuheben ist die mehrwöchige Reise, die ihn, ausgehend von Florenz, durch die Toskana, über die Abruzzen nach Apulien, bis nach Sizilien führt.
Die Ausstellung und der Katalog zeigen Werke von Otto Niemeyer-Holstein, die 1920-1958 in Italien entstanden sind und belegen damit, wie sehr den Künstler die Italiensehnsucht in den Bann zieht und prägt.
Es ist mir eine Freude, Ihnen mehr als 40 Werke präsentieren zu können. Eigens für diese Ausstellung werden zahlreiche Werke erstmals gerahmt. Ergänzt wird die Ausstellung durch umfangreiche Leihgaben aus dem Potsdam Museum, dem Museum für bildende Künste Leipzig und aus Privatbesitz aus Zürich, Kamenz, Berlin und der Insel Usedom.
Foto: Atelier Otto Niemeyer-Holstein Lüttenort
