Wenn sich der Sommer von der Ostsee verabschiedet, das Licht über den Kaiserbädern weicher wird und der Strand den Spaziergängern gehört, beginnt auf Usedom die Zeit der Musik: In einem Monat, am 19. September, eröffnet das Usedomer Musikfestival 2026 im Kraftwerk Peenemünde seine neue Saison. Bis zum 10. Oktober trägt der Wind dann Klänge aus Schweden über die Insel – in über 30 Veranstaltungen zwischen den Seebädern, dem Achterland, Wolgast und dem polnischen Świnoujście, im Jahr des 75. Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen Schweden und Deutschland.
„Nur noch ein Monat – dann taucht Usedom in die Klänge Schwedens ein, und die Vorfreude ist schon jetzt mit Händen zu greifen", sagt Festivalintendant Thomas Hummel. „Auf unser Publikum warten großartige Peenemünder Konzerte mit dem Baltic Sea Philharmonic und dem NDR Elbphilharmonie Orchester, mit Martin Fröst als Artist in Residence – und dazu wunderbare kammermusikalische Höhepunkte in den Kirchen und kaiserzeitlichen Hotels der Insel."
Der Ort der Eröffnung ist mit Bedacht gewählt: 1630 ging König Gustav II. Adolf mit seinem Heer an der Küste Usedoms an Land, von 1648 bis 1720 gehörte die Insel zum schwedischen Staatsgebiet. Am historischen Landungsort, im größten Industriedenkmal Mecklenburg-Vorpommerns, dem Historisch-Technischen Museum Peenemünde, spielt zur Eröffnung das Baltic Sea Philharmonic mit Robert Treviño. Als Solistin stellt sich die zwölfjährige Cellistin Charlotte Melkonian mit Tschaikowskys Rokoko-Variationen vor – Usedomer Musikpreisträgerin 2026 und eine der jüngsten Solistinnen, die bereits in der Carnegie Hall, der Berliner Philharmonie und der Elbphilharmonie Hamburg aufgetreten ist.
Die künstlerische Handschrift der Saison prägen gleich zwei Artists in Residence: Der Klarinettist Martin Fröst – einer der bedeutendsten musikalischen Botschafter seines Landes – tritt am 3. Oktober als Solist mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester geleitet von Andris Poga in Peenemünde hervor und setzt am 10. Oktober gemeinsam mit dem Pianisten Roland Pöntinen in der Kirche St. Petri zu Wolgast den Schlusspunkt des Festivals. Das Vokalquartett Lemon Squeezy – International Barbershop Quartet Champions 2025 – schlägt mit Solisten des Baltic Sea Philharmonic einen populären Bogen: Zum 80. Geburtstag des ABBA-Songschreibers Benny Andersson erklingen dessen Welthits am 25. September im Dom Kultury in Świnoujście und am 26. September als großformatige Revue im Heringsdorfer Kaiserbädersaal. In einem Strandkonzert an der Seebrücke von Seebad Heringsdorf präsentieren die vier Schweden ihr stimmliches Können.
Zu den Höhepunkten zählt auch das Gastspiel der Sopranistin Christina Nilsson, die 2025 bei den Bayreuther Festspielen in drei Wagner-Partien debütierte, an der New Yorker Metropolitan Opera in der Titelrolle der „Aida" auftrat und in diesem Jahr sogar ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen gab: Am 1. Oktober singt die Trägerin des schwedischen Musikexportpris 2025 in der Ev. Kirche Heringsdorf schwedische Romantik, Sibelius und Strauss.
Zwischen diesen Höhepunkten entfaltet sich die ganze Spannweite des Musiklands Schweden: von Barockvioline und Nyckelharpa im idyllischen Lieper Winkel im Achterland der Insel über mittelalterliche Marienlieder in der sehenswerten Kirche Mellenthin, unweit des Wasserschlosses, bis zu den Gegenwartsklängen des Stockholm Saxophone Quartet in Bansin und der poetischen Jazz-Klangreise, des mehrfach ECHO Jazz gekrönten Pianisten Martin Tingvall. Gleich zweifach feiert das Festival den 400. Geburtstag der Königin Christina von Schweden – mit dem Ensemble NeoBarock und einer Lesung von Jutta Jacobi –, während Lesungen aus Ingmar Bergmans „Sonntagskinder" und Selma Lagerlöfs „Nils Holgersson" (mit Schauspielerin Annett Renneberg) die Literatur des Nordens zum Klingen bringen. Kammermusikalischen Glanz versprechen das OPUS-Klassik-prämierte Franz-Ensemble, das Phaeton Piano Trio, die jungen Geschwister Pellbäck und der Pianist Niklas Sivelöv; David Geringas begeht auf Schloss Stolpe seinen 80. Geburtstag und zwanzig Jahre Ostsee-Musikforum. Dass Nachwuchsförderung zur DNA des Festivals gehört, zeigen die Young-Concert-Artists-Preisträgerin Estel Vivó Casanovas, das Preisträgerkonzert von „Jugend musiziert" und das Schulprojekt „In 60 Minuten um die Welt". Und wer die Insel selbst als Bühne erleben will, dem öffnen die musikalische Inselrundfahrt durchs Achterland, die Fahrt zu Orten jüdischer Geschichte mit dem Diplomatischen Streichquartett, das Liegekonzert in Heringsdorf, die Nobelpreis-Ausstellung in der Villa Irmgard und der Blick durchs „Fenster zur Welt" nach Panama ganz eigene Zugänge.
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Foto: Lemon Squeezy, © Domas Rimeika
