Die Ausstellung UNSTABLE MEDIA IN THE 21ST CENTURY vereint einige der radikalsten Stimmen aus den letzten drei Jahrzehnten und präsentiert rund 40 wegweisende Werke aus der Sammlung Neue Medien des Centre Pompidou. Das ungewisse Schicksal neuer Technologien war schon immer eine Herausforderung in Bezug auf Kontinuität und Nachhaltigkeit – zwei für museale Sammlungen wesentliche Kriterien. Und doch haben diese Technologien unser sensorisches Gedächtnis geprägt und sich im Laufe der Zeit bei uns so fest verankert, dass sie zu einer Art zweiten Haut geworden sind. Trotz ihrer Flüchtigkeit wirken sie langfristig auf unsere Wahrnehmung, unsere Vorstellungskraft und auf die stetige Erneuerung des Wissens.
UNSTABLE MEDIA IN THE 21ST CENTURY lädt dazu ein, die jüngsten Entwicklungen in diesem Bereich des künstlerischen Schaffens anhand einer großen Vielfalt an Formen, Gesten und Situationen zu erkunden. Die Ausstellung bildet ab, wie Künstler*innen sich die Medien ihrer Zeit zu eigen machen und kontinuierlich neue Bild- und Tonnarrative erfinden, wobei sie zuweilen deren nichtlineare Verläufe durch Computerprogrammierung und die Verbreitung in Netzwerken hervorheben. In neun Kapiteln werden die wichtigsten Forschungsansätze adressiert, die diese Praktiken heute beeinflussen: die Darstellung von Zeit und die Erforschung digitaler Materialität, die Auflösung der Erzählung und die »Mise en abyme« der Archive, die Aufarbeitung von Kolonialgeschichte und das Kunstwerk als möglicher Ort der Artikulation, und letztlich das kritische Hinterfragen des Körpers als Bild und des Bildes als Körper. Großformatige Installationen treten in Dialog mit Miniaturen, Bewegung spiegelt sich im Unbeweglichen wider, organisches und simuliertes Leben durchdringen sich gegenseitig und tauschen die Erscheinungsformen. Die Szenografie der Ausstellung schlägt einen frei zu gestaltenden Weg mit zahlreichen Windungen, Schleifen und wechselnden Perspektiven vor, gleich einer Geschichte, die es noch zu schreiben gilt.
Mehrere Generationen von Künstler*innen finden sich in diesem Resonanzraum wieder, angefangen bei ausgereiften Werken von Pionier*innen wie Sonia Andrade, Harun Farocki, Francis Alÿs, Christian Marclay, Penny Siopis oder Pierre Huyghe bis hin zu den manifestartigen Werken, die neuere künstlerische Ansätze veran-schaulichen, wie jene von Fiona Tan, Jérôme Bel, Apichatpong Weerasethakul, Omer Fast, C.B. Evans, Lawrence Abu Hamdan, Saodat Ismailova, Wang Tuo, Laura Henno, Thao Nguyen Phan oder Sarah Meyohas.
Die Sammlung Neue Medien entstand Mitte der 1970er Jahre im Zuge der Eröffnung des Centre Pompidou und ist mit ihren mehr als 3.000 Werken eine der führenden Sammlungen in diesem Bereich. Das Centre Pompidou ist wegen umfassender Renovierungsarbeiten bis 2030 geschlossen. Die letzte große Wander-ausstellung, »Vidéo, un art, une histoire« (Video – Kunst und Geschichte), war zwischen 2007 und 2011 in rund zehn Kunstinstitutionen in Frankreich und im Ausland zu sehen.
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog (Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln, 288 Seiten, in einer englischen Ausgabe). Er ist im Museumsshop zum Preis von 35 Euro sowie im Buchhandel (39,80 Euro) und über www.freunde-der-kunsthalle.de erhältlich.
Beteiligte Künstler*innen: Lawrence Abu Hamdan, Robert Alice, Francis Alÿs, Sonia Andrade, Éric Baudelaire, Jérôme Bel, Pauline Boudry & Renate Lorenz, Claude Closky, Brice Dellsperger, Melissa Dubbin & Aaron S. Davidson, C.B. Evans, Harun Farocki, Omer Fast, Simone Forti, Laura Henno, Holly Herndon & Mat Dryhurst, Pierre Huyghe, Saodat Ismailova, Eisa Jocson, Isaac Julien, Kao Chung-Li, Hassan Khan, Sonia Khurana, Lee Kit, Lu Yang, Christian Marclay, Sergey Maslov, Sarah Meyohas, Rhea Myers, Deimantas Narkevičius, Paul Pfeiffer, Thao Nguyen Phan, Penny Siopis, Hito Steyerl, Melati Suryodarmo, Mika Tajima, Fiona Tan, Wang Tuo, Apichatpong Weerasethakul, Elsa Werth
Eine gemeinsam organisierte Ausstellung der Hamburger Kunsthalle und des Centre Pompidou.
Foto: Thao Nguyen PhanMute Grain (Still), 2019
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