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Menschenwechsel: Die ›Schamanin‹ von Bad Dürrenberg

Mächtig soll sie gewesen sein und unheimlich. Sie soll Kontakt zu Geistern gehabt und Menschen geheilt haben. Viele Rätsel ranken sich um die Schamanin von Bad Dürrenberg. Ihre sterblichen Überreste gehören neben der berühmten Himmelsscheibe von Nebra zu den Besuchermagneten im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale). Ein neuer Bestseller lüftet die Geheimnisse des Fundes von Weltrang (März bis November 2026)

Waldzeit

Dunkel und verborgen präsentiert sich im Landesmuseum der zweite Raum des Themenbereichs ›Menschenwechsel‹. Eindrücklich inszeniert wird hier ein tiefgreifender klimatischer und naturräumlicher Wandel erfahrbar – die hellen Weiten der kaltzeitlichen Tundra weichen den schattigen Eichenmischwäldern mit vielen Hasel- und Kieferbäumen der Mittelsteinzeit (Mesolithikum). Grund hierfür waren die vor rund 11.500 Jahren stetig ansteigenden Temperaturen. Die letzte Kaltzeit ging zu Ende und eine bis heute andauernde Warmzeit begann. Mit dem Rückgang der offenen Landschaften der Eiszeit verschwanden aber auch die großen Rentier- und Pferdeherden, die dem Menschen ergiebige Nahrungsquellen waren. Wieder einmal mussten die Menschen ihre Lebensstrategien und Verhaltensweisen umstellen – aus Tundrajägern wurden nun Waldläufer und Fischer.

Eine mächtige Frau

Im Schatten des Waldes ist Raum für Begegnungen der besonderen Art. Die 30- bis 40-jährige Frau wurde in Rötel gebettet vor ungefähr 9.000 Jahren bestattet. Das überreiche Beigabeninventar bezeugt eine gesellschaftliche Sonderrolle der Toten. Bemerkenswert ist die enorme Vielfalt der im Grab repräsentierten Tierarten, die nicht alle nur Nahrungsvorrat für das Jenseits sein sollten. Ethnografische Vergleiche legen nahe, dass manche Objekte als Requisiten schamanistischer Praktiken zu deuten sind. Der Übergang vom mobilen Wildbeutertum zur sesshaften Lebensweise, verursacht durch die Einwanderung von Ackerbauern und Viehzüchtern in unsere Region, markiert um 5400 vor Christus das Ende des Mesolithikums. Das Zeitalter der Wildbeuter – als längste Phase menschlicher Lebensweise – neigte sich ihrem Ende entgegen.

Das Grab der ›Schamanin‹

Das Grab der ›Schamanin‹ von Bad Dürrenberg ist eine der ältesten Bestattungen Mitteldeutschlands. Mit ihr wurde ein Säugling bestattet. Die Analyse des Skelettes der Frau ergab, dass ihre beiden obersten Halswirbel fehlgebildet waren und zudem im unteren Schädelbereich Blutgefäße räumlich eingeschränkt gewesen sein könnten. Diese Fehlbildung machte sie vielleicht zu einem besonderen Menschen. Anthropologen vermuten, dass sie durch eine bestimmte Haltung ihres Kopfes ein Blutgefäß abklemmen konnte. Dies führte möglicherweise zu einer unwillkürlichen Augenbewegung, einem sogenannten Nystagmus. Das überreiche Beigabeninventar bezeugt eine gesellschaftliche Sonderrolle der Toten. Bemerkenswert ist auch die enorme Vielfalt der im Grab repräsentierten Tierarten, die nicht alle nur Nahrungsvorrat für das Jenseits sein sollten. Für die Interpretation dieser Bestattung als Grab einer Schamanin spielten auch spezielle Beigaben eine wichtige Rolle.

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Foto: Diese Rekonstruktion zeigt die ›Schamanin‹ in ihrem vollen Ornat. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Karol