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Afrikanische Kunst auf Reisen entdecken: Märkte, Galerien und Ateliers abseits der Touristenpfade

Wer Afrika bereist, stößt schnell auf Kunst, die weit mehr ist als Dekoration für den Kofferboden. Zwischen Touristenmärkten voller Massenware und den oft übersehenen Stadtvierteln liegt eine Szene, die international seit Jahren an Gewicht gewinnt. Auktionshäuser wie Christie's und Sotheby's versteigern regelmäßig Werke afrikanischer Künstler zu sechsstelligen Summen.

Der globale Markt für zeitgenössische afrikanische Kunst wuchs in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich, getragen von steigendem Sammlerinteresse aus Europa, den USA und Asien. Wer vor Ort kauft oder einfach schaut, erlebt Kunst in ihrem Entstehungskontext. Das macht einen erheblichen Unterschied.

Vorbereitung: Galerien als erster Orientierungspunkt

Bevor man aufbricht, lohnt es sich, ein Gefühl für die Szene zu entwickeln. Kuratierte Galerien mit Fokus auf afrikanische Gegenwartskunst wählen ihre Werke direkt auf dem Kontinent aus, stellen künstlerische Positionen in einen Zusammenhang und bieten Echtheitszertifikate sowie dokumentierte Provenienz. Eine solche Kunst Galerie ist Soul of Afrika in München, die zeitgenössische Arbeiten aus mehreren afrikanischen Ländern zeigt und als europäisches Portal für in Afrika lebende Künstler fungiert. Wer sich dort einen Überblick über Stile, Medien und Herkunftsregionen verschafft, reist mit deutlich geschärftem Blick.

Dieses Vorwissen ist praktisch: Es hilft, auf Märkten zwischen Originalwerken und industriell gefertigten Kopien zu unterscheiden, und gibt Anhaltspunkte dafür, welche Preise realistisch sind. Ohne diesen Referenzrahmen sind selbst erfahrene Reisende auf Märkten schnell überfordert.

Kunstmärkte vor Ort: Worauf es ankommt

Nicht jeder Markt in Afrika ist gleich. Wer die richtigen findet, entdeckt dort keine gefälschten Touristenmasken, sondern Originale von Künstlerinnen und Künstlern. Ein Beispiel ist der Marché des Arts et Métiers in Dakar, einer der wenigen Märkte, die nur handgefertigte Originale führen. Händler werden dort von den lokalen Kunsthandwerksverbänden geprüft. Der Lekki Arts and Crafts Market in Lagos ist seit den 1970er-Jahren das inoffizielle Zentrum nigerianischer Künstler, die wie hier direkt bei Produzenten und nicht bei Zwischenhändlern kaufen können.

Ein Qualitätsmerkmal: Wenn ein Verkäufer erzählen kann, wie das Stück gemacht wird, wenn er den Namen des Künstlers und dessen Herkunft nennen kann und wenn er nicht sofort mit dem Handeln beginnt, ist es wahrscheinlich ein echtes Stück. Wer dagegen bei einem Verkäufer auf die pauschale Bemerkung „handmade, very old" stößt, sollte Vorsicht walten lassen.

Atelierbesuche: Kunst im Entstehungskontext erleben

Noch näher am Entstehungsprozess dran sind Atelierbesuche. In Städten wie Kapstadt, Accra oder Kampala haben sich Ateliergemeinschaften etabliert, die Besuche aktiv fördern. So gilt das Kapstädter Viertel Woodstock als eines der am stärksten gewachsenen Kreativquartiere des Kontinents. In den vergangenen zehn Jahren haben sich dort mehr als 30 Galerien und Ateliers angesiedelt, darunter international bekannte Positionen wie Igshaan Adams oder Gabrielle Goliath. Vergleichbare Entwicklungen zeigen sich in Lagos auf Victoria Island und in Nairobi rund um das GoDown Arts Centre.

Manche Künstler bieten geführte Studio Visits an, andere öffnen ihre Türen während städtischer Kunstfestivals. Wer einen Besuch plant, kann dies über lokale Kunstorganisationen oder über Kulturinstitute wie das Goethe-Institut anfragen. Spontane Besuche sind möglich, doch wer vorher anruft, zeigt Respekt und erhöht die Chance auf ein echtes Gespräch beträchtlich.

Kauf vor Ort: Drei Punkte, die zählen

Wer ein Werk kaufen möchte, sollte auf Provenienz, Echtheitszertifikat und Ausfuhrbestimmungen achten. Viele afrikanische Länder schützen kulturelles Erbe durch Exportgesetze. Masken und zeremonielle Objekte dürfen in einigen Ländern nicht ohne staatliche Genehmigung ausgeführt werden. Für zeitgenössische Kunst gelten solche Einschränkungen in der Regel nicht, sofern das Werk nach 1970 entstanden ist.

Eine seriöse Galerie oder ein professioneller Händler stellt die notwendigen Dokumente aus und informiert vorab über geltende Regelungen. Wer darauf verzichtet, riskiert Probleme beim Zoll und im schlimmsten Fall die Konfiszierung des Werks. Gerade bei Drucken und Fotografien, die in limitierten Auflagen erscheinen, ist ein nummeriertes Zertifikat mit Künstlersignatur ein Mindeststandard, den seriöse Anbieter ohne Nachfrage mitliefern. 

Foto: graffitiartist.de/allgemein/graffiti-cape-town/