Startmenü

ABENTEUER ABSTRAKTION VON DER MODERNE BIS ZUR GEGENWART SAMMLUNG

Mit „Abenteuer Abstraktion" präsentiert das Sprengel Museum Hannover ab 23. April 2026 einen bedeutenden Teil seiner Sammlung im Untergeschoss. Auf 19 Räumen spannt die Ausstellung einen Bogen abstrakter Kunst vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart und vereint Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie sowie raumgreifende Medienkunstwerke und frühe Filme. Die Präsentation bietet den Blick auf einzelne Jahrzehnte, prägende Tendenzen und einflussreiche Strömungen der abstrakten Kunst.

Zentrale Stationen des Rundgangs bilden die Nachbauten von Kurt Schwitters Merzbau und El Lissitzkys Kabinett der Abstrakten. Beide Räume, die ursprünglich in Hannover existierten, veranschaulichen das Zusammenspiel von Form, Farbe und Raum und markieren bedeutende Etappen der Moderne. Die Klassische Moderne wird zusätzlich durch Werke von Piet Mondrian, Hans Arp und Paul Klee repräsentiert. Werke der Nachkriegszeit von Willi Baumeister, Pierre Soulages und K.O. Götz leiten zu zeitgenössischen Positionen wie Pia Fries, Pipilotti Rist und Wolfgang Tillmans über.

Darüber hinaus beleuchtet ein Bereich im Zwischengeschoss die Kunst und die Künstler*innen Hannovers während des Nationalsozialismus. Einen besonderen Blickfang bildet die eigens für das Museum konzipierte Arbeit „Unter dem Strand“ von Lotte Lindner und Till Steinbrenner.

Kuratorin Isabel Schulz: „Die Ausstellung richtet den Blick auf die wesentliche Errungenschaft der Moderne: die Befreiung der Kunst von einer abbildenden Funktion. Welchen immensen Spielraum die Abstraktion für neue Fragestellungen und für individuelle Formensprachen bot – und nicht zuletzt, welche Bedeutung Hannover für ihre Entwicklung besaß – kann unser Publikum hier erleben.“

Die Sammlungspräsentation zeigt, was in der Kunst seit Beginn des letzten Jahrhunderts an die Stelle der Naturnachahmung getreten ist. Sie fragt, welche Beweggründe und Probleme Künstler*innen beschäftigten, die nicht mehr gegenstandsbezogen arbeiteten und dennoch innerhalb der Zeitgeschichte agierten. Dabei gehe es nicht um die Erzählung einer vollständigen Entwicklungsgeschichte abstrakter Kunst, befindet Isabel Schulz, sondern um die Vermittlung einer Vorstellung von einzelnen Jahrzehnten und einflussreichen Bewegungen und Tendenzen.

„Dass das Sprengel Museum Hannover in der Kunstwelt international in der ersten Liga spielt, beruht nicht zuletzt auf den zahlreichen Hauptwerken von Protagonisten der Klassischen Moderne wie Nolde, Léger, Klee, Lissitzky und Schwitters, auf die Besucher*innen am Anfang des Rundgangs treffen. Hinzu kommen essentielle Werke, die insbesondere durch die Kunststiftung Bernhard Sprengel und Freunde sowie die Niedersächsische Sparkassenstiftung ins Haus gekommen sind – darunter Arbeiten von John Baldessari, Norbert Prangenberg und Katharina Grosse“, sagt Kuratorin Isabel Schulz, die gemeinsam mit Julius Osman und in Teamwork mit den jeweiligen Spartenkolleg*innen des Museums die Ausstellung konzipiert hat.

ARBEIT VON JULIUS VON BISMARCK

Teil der neuen Sammlungspräsentation ist auch die raumgreifende Installation „One Solution Revolution“ von Julius von Bismarck, die von den Sprengelfreunden mit Unterstützung der Karin und Uwe Hollweg-Stiftung 2022 erworben wurde und hier präsentiert wird.

Reinhard Spieler, Direktor Sprengel Museum Hannover: „In Nachbarschaft zu El Lissitzkys „Kabinett der Abstrakten“ als Inkunabel der musealen Präsentation setzt Bismarck ein adäquates Statement für das Museum in unserer Gegenwart. Die Arbeit besteht aus Laufbändern, die einen unweigerlich ins Aus befördern, wenn man sich nicht selbst in Bewegung setzt. Auch im Museum muss man sich bewegen – betrachten allein reicht nicht.“

AKTIONSRAUM SETZEN STELLEN LEGEN

Gemeinsam mit Schüler*innen des 13. Jahrgangs der Tellkampf-Schule haben Künstler- und Kunstvermittler*innen einen Raum, der zum Mitmachen einlädt und Möglichkeiten ungegenständlicher Gestaltung mit Farbe und Form vermittelt, konzipiert. Unterschiedliche Elemente laden hier zur Beschäftigung mit dem Thema Abstraktion – zum Setzen, Stellen und Legen – ein.

Idee, Koordination und Realisierung: Frank Rosenthal, Künstler; Jakob Spehr, Künstler und Lehrer Gymnasium Tellkampfschule Hannover, Gabriela Staade, Kunstvermittlerin Sprengel Museum Hannover; Anette Walz, Künstlerin; Videoproduktion: Tosh Leykum, Visuathlet

KUNST UND KÜNSTLER*INNEN IN HANNOVER IM NATIONALSOZIALISMUS

Am Beispiel von neun Personen und entlang historischer Ereignisse beleuchtet die multimediale Dokumentation, die im Zwischengeschoss verortet ist, die Situation von Kunst und Künstler*innen im Nationalsozialismus.

Julius Osman, Kurator Sprengel Museum Hannover: „Die schmerzlichen Lücken, die die Diktatur gerissen hat, sind in einem Museum, das moderne Kunst zeigt, besonders spürbar. Mit dem Ausstellungsbereich haben wir uns den zwölf Jahren der Gewaltherrschaft und ihren Auswirkungen auf das Leben ausgewählter Personen und Institutionen gewidmet. Nicht zuletzt wird hier auch die eigene Sammlungsgeschichte transparenter. Die ungewöhnliche Ausstellungsarchitektur von Karsten Weber und dem Team von neospektiv vermittelt zudem auf eindrucksvolle Weise, dass wir beim Blick auf die Geschichte Teil der Erzählung sind.“ 

Weitere Infos hier

Foto: Nachbau von Kurt Schwitters' Merzbau, Foto: Herling/Herling/Werner, Sprengel Museum Hannover