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Kurztrip per Flugzeug

Günstige Preise sorgen für Rekorde – nicht nur hinsichtlich der Passagierzahlen, sondern auch was streikendes Personal und Verspätungen betrifft. Die Flugbranche erlebt einen ungebrochenen Aufwind und damit häufen sich auch die Beschwerden.

Überlegte man sich früher zweimal, ob man für eine Theatervorstellung extra in eine weit entfernte Stadt anreist, ist das heute für die meisten den Aufwand wert. Flugtickets sind zum Schnäppchenpreis erhältlich und die Karten können problemlos online bestellt werden. So lässt sich ein verlängertes Wochenende mit Kulturgenuss verbinden.

Günstige Flugtickets haben nur einen Nebeneffekt: der Flugverkehr nimmt drastisch zu. Selbst bei abflachendem Wachstum knackte der Flughafen Frankfurt die 70 Millionen Marke bei den Passagierzahlen. Mit diesem Wachstum sind zwangsläufig Verzögerungen verbunden. Damit das Aufkommen bewältigt werden kann, müssen die Flughäfen an ihrer Maximalauslastung planen. Auf der anderen Seite sind die Airlines gezwungen, bei den Ausgaben zu sparen, damit sich die Preisschlacht auch nur annähernd rechnet.

Diese zwei Faktoren ergeben in Summe die Zunahme von Verzögerungen. Sobald diese jedoch wesentlich ist, steht Passagieren eine Entschädigung aus der EU-Fluggastrechteverordnung zu. Seinerzeit beschlossen wurde sie wegen der vielen am Gate zurückgelassenen Kunden, die wegen der Überbuchungspraxis keinen Platz mehr hatten. Fluggesellschaften buchen nach wie vor mehr Passagiere auf einen Flug, weil es auch nach wie vor zu kurzfristigen Stornierungen kommt, nur gehen sie etwas vorsichtiger vor. Es kostet einfach zu viel Geld.

Von einer Nichtbeförderung ist die Rede, wenn jemand trotz gültigem Flugschein, gültigen Reisedokumenten und rechtzeitigem Check In, nicht zum Boarding zugelassen wird. In diesem Fall ist die Fluggesellschaft in erster Linie verpflichtet, nach Freiwilligen zu suchen. Dieses Entgegenkommen wird mit Gutscheinen in Höhe der gesetzlich zustehenden Entschädigung vergütet und mit einem Ersatzflug zum Zielort auf Kosten der überbuchenden Airline. Wer regelmäßig fliegt und wem es nichts ausmacht, etwas später anzukommen, ist mit dieser Variante durchaus besser dran. Zumindest haben die Gutscheine schneller einen neuen Besitzer als das Geld aus der Entschädigung.

Wesentlich ärgerlicher sind Verspätungen und das umso mehr, wenn der Aufenthalt am Zielort eng getaktet ist. Wer am Freitag Nachmittag wegen einer Oper in eine andere Stadt fliegt und es sich gerade gut ausgeht, pünktlich zu Beginn dort zu sein, fällt möglicherweise um seinen Kulturgenuss. Nicht jede Verspätung ist dabei ersatzfähig. Zum einen muss sie einmal wesentlich sein und darunter versteht die EU-Fluggastrechteverordnung auf innereuröpäischen Kurzstrecken eine Ankunftsverspätung von mindestens zwei Stunden. Zum anderen muss der Grund für die Verspätung in die Sphäre der Fluggesellschaft fallen. Bei außergewöhnlichen Gründen sind sie von der Haftung befreit.

Außergewöhnlich ist jedoch – wenn es nach der Rechtsprechung geht – für den Betrieb einer Fluggesellschaft nur noch relativ wenig. Stellten Streiks früher einen solchen dar, zählt das nun quasi zum Alltagsgeschäft. Unerwartete Reparaturen fallen darunter wie eine allfällige Enteisung im Winter.

Wenn Ihr Flug Verspätung hat, lohnt es sich durchaus, die Ansprüche auf Entschädigung geltend zu machen. Fluggastportale wie zB AirHelp unterstützen Sie dabei, wenn es schneller gehen soll. Der Schriftverkehr kann sich nämlich über mehrere Monate hinziehen und im Ernstfall kann es passieren, dass sie Ansprüche vor Gericht durchgesetzt werden müssen. Diese werden von den Fluggastportalen ebenfalls übernommen, falls es dazu kommt.

Foto: Ralf Roletschek, cc by-sa 2.5